Osteopathie und Riechstörungen • Healthblog • Torsten Liem

Osteopathie und Riechstörungen • Healthblog • Torsten Liem | Thierry Payet

Als erstes ist es sicherlich eine interessante Frage, ob Osteopathie bei Long Covid-19 helfen können. Persönliche Erfahrungen von erfolgreichen Behandlungen einzelner Osteopathen ist der erste Schritt. Deshalb freue ich mich über die positiven Behandlungserfolge von Wirtz und die Berichterstattung darüber. 

 

Jetzt ist es nötig in Studien zu untersuchen, ob diese Einzelerfahrungen nur anekdotischer Natur sind oder ob Osteopathen tatsächlich einen Beitrag bei der Behandlung von Long Covid leisten können.

 

Die Befundung von Wirtz, dass die Riechstörung vor allem auf eine Verspannung im duralen System zurückzuführen sei, halte ich für zu reduktionistisch. Vielleicht wurde – aus Versehen – ja vielleicht auch viel mehr mit den Händen „behandelt“, als ursprünglich bewusst gedacht. Viele Wirkmechanismen sind ja noch lange nicht abschließend untersucht. 

Aus meiner Sicht sollte zusätzlich zur duralen Behandlung wie Wirtz sie empfohlen hat, auch eine Mobilisierung der Lamina cribrosa im Siebbein, die Behandlung der gesamten Nasenregion, die Gleitfähigkeit des Riechnerven (Liem 2020), die arterielle Versorgung der Nase sowie eine lymphatische Behandlung der Nasenregion, des tiefen Halses, des Gehirns und des Kopfes (Liem 2017, Drainage des Gehirns) und je nach Patient weitere osteopathische Interventionen erfolgen. So wurde in unserer Praxis behandelt und dabei hatte ich gute Erfolge bei Riechstörungen nach Coviderkrankung. Allerdings müsste auch diese Arbeitshypothese weiter wissenschaftlich untersucht werden. 

 

Es könnte gut möglich sein, dass Osteopathie im Rahmen einer multidisziplinären Behandlung Ihren Beitrag bei Long-Covid leisten kann, wie auch eine Veröffentlichung von Marin et al. 2021, 2022) postulieren und weitere biologische und klinische Forschung verlangen.

Auf der anderen Seite sollten wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht übertriebene Behauptungen zu Behandlungserfolgen formulieren. 

Dabei sind folgende Fehler zu vermeiden: Fehlinterpretationen, Rosinenpickerei von Informationen in narrativen Übersichten und mangelnde methodologische Strenge wie z.B. Draper-Rodi et al. (2021) in Bezug zu Publikationen zu osteopathischer Behandlung von Covid-19 schreiben.

 

An der spanischen Grippe (Influenza), Anfang des 20. Jahrhunderts sind etwa 50 Millionen Menschen gestorben. 2.445 OsteopathInnen behandelten damals 110.122 Influenza-PatientInnen mit osteopathischer Manipulationstherapie (OMT) behandelt.  Diese zeigten eine deutlich niedrigere Morbiditäts- und Sterblichkeitssrate auf im Vergleich zu Patienten, die mit der damaligen ärztlichen Standardversorgung behandelt wurden. Auch wenn diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen sind, denn die wissenschaftlichen Standards zu der Zeit Mängel bei der Standardisierung der Forschungsmethoden und -kriterien aufweisen, hätte es meiner  Meinung nach genügend Hinweise für die Annahme gegeben, dass Osteopathie auch bei der Behandlung von Covid-19 helfen könnte, die eine Untersuchung dieser Annahme rechtfertigen würde. (Baroni et al. 2021, siehe LiemHealthBlog, Liem 2020 (Artikel),  Stenta et al 2020, Martinez, Reddig 2020, Thibault et al 2020) (siehe LiemHealthBlog

Dies hätte insbesondere in der Zeit untersucht werden können, in denen noch keine Impfstoffe zur Verfügung standen, was leider nicht stattgefunden hat, auch nicht in den USA, in denen viele Osteopathen in Krankenhäusern arbeiten. 

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